Droht Zürich ein Burger-Krieg?

Der Konflikt zwischen McDonald’s und dem Schaupsielhaus Pfauen spitzt sich zu

Pfauen

Zürich – Verfettende Darsteller befürchten die einen, Elitisierung und  Identitätsverlust die anderen. Die Genehmigung der McDonald’s-Filiale an prominenter Stelle neben dem Zürcher Schauspielhaus erregt die Gemüter. Sowohl Fast-Food-Anhänger als auch Theatergänger zeigen sich über den Entscheid empört. Eine Einigung der verfeindeten Lager rückt durch den Bauentscheid in weite Ferne.

Die Ängste der Betroffenen sind nicht aus der Luft gegriffen. Einen Präzedenzfall mit verheerenden Auswirkungen zeigt die Stadtzürcher Geschichte, als 1963 der Sternengrill am Bellevue eröffnet wurde. Das nahegelegene Opernhaus hat seitdem immer wieder mit massiven Senfspuren, Bratpouletknochen und Wurstzipfeln zu kämpfen.
Die Situation eskalierte, als 1973 enttäuschte Opernbesucher den Don Giovanni schon bei der Ouvertüre mit heissen Würsten bewarfen, die sie für den Rest der Vorführung gehortet hatten. Der scharfe Dijon-Senf verätzte den Sänger lebensbedrohlich und zwang ihn zum frühzeitigen Ruhestand.

Von Seiten des Schauspielhauses befürchtet man eine ähnliche Entwicklung mit dem Fast-Food-Giganten als Nachbarn. McDonald’s stelle eine Gefahr für den guten Geschmack dar. Szenarien von Hungrigen, die irrtümlich im Theater landen und Aufführungen mit lauten Menübestellungen stören, sind keineswegs auszuschliessen. Im Theater werden derzeit die Zugangshürden zum Kulturort verstärkt, um typische McDonald’s-Besucher fern zu halten.

Erwartungsgemäss schiesst auch die Gegenseite scharf und warnt vor snobistischen Eindringlingen in ihren gastronomischen Kosmos. Von „Theaterschnöseln mit Literatenschals und schwarzen Rollkragenpullovern“ war bei der Krisensitzung der Schweizerischen Fast Food Vereinigung (SFFV) die Rede. Mitglieder der SFFV befürchten den Verlust ihres globalen Gemeinschaftssinns, der seit Jahrzehnten über Barbecue-Sauce und Scheibengürkchen entstanden ist. Der Feinsinn für Esskultur gehe den Hungerhaken am Schauspielhaus einfach ab.

Die Fronten zeigen sich hart wie kaltes Bratfett und sämtliche Verhandlungen an der Friedenskonferenz blieben ohne Ergebnis. Experten sehen im Fusionsversuch von Big Mac und MacBeth die letzte Chance Zürichs um sozialen Unruhen und burgerkriegsähnlichen Zuständen zu entgehen. Dem Projekt kommt aufgrund seiner Symbolkraft besondere Beachtung zu. Sollte eine Zusammenführung der lange verfeindeten Lager glücken, könnten weitere Bereiche dem prominenten Beispiel folgen: Kinder und Karriere, Religion und Frieden, 100% Geschmack und Zero Zucker – der erste Schritt in Zürichs Zukunft als Vorreiter in Sachen Toleranz rückt mit Burger und Belustigung in greifbare Nähe.


Achtung: Die Textsorte der Glosse, dem der obige Text zugeordnet wird, kann Spuren von Sarkasmus und Polemik enthalten. Übermässiger Konsum kann zu Zynismus führen.
Er ist im Rahmen des Unterrichtsmoduls „Textanalyse/ Textproduktion“ in Zusammenarbeit mit Urs Bühler (NZZ) entstanden.

 

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